Demokratische Rechte

Tradition und Moderne

Chancen der Finanzkrise, Aufatmen in Dresden und ganz viel Grund zum Schämen

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„Endlich Schluss“, schreibt der Spiegel erleichtert, sei nun mit der Deutung des „vermeintlichen Terror[s]“ der Alliierten in Dresden als „Bombenholocaust“ durch Neonazis. Grund: Die Zahl der Toten wurde deutlich nach unten korrigiert, eine Hisorikerkomission bezifferte sie mit höchstens 25.000. Zum Glück, kann man da nur sagen, zum Glück bewahrheiteten sich nicht die Schätzungen, die von einer sechsstelligen Zahl ausgingen, denn sonst hätte es ja womöglich einen Anlass gegeben, sich moralisch zu entrüsten aufgrund von Verbrechen, die an Deutschen verübt wurden. Aus dem gleichen Grund wurde in diesem Jahr auch abgelehnt, den Ausspruch „Scheiß Deutscher“ als Volksverhetzung zu werten, im Gegensatz zu Fällen, wo andere Nationalitäten oder Religionsgemeinschaften an Stelle des „Deutscher“ stehen. Denn heutzutage gilt es als „rechts“, irgendwie auf seine deutsche Herkunft zu rekurrieren, selbst wenn es nur dazu dient, sich eines Angriffes auf ebendiese zu erwehren. Daher werden alle möglichen Anlässe dazu präventiv umgedeutet. Schade eigentlich, dass noch keiner herausfand, dass im Zweiten Weltkrieg eigentlich gar niemand zurückgeschossen hat. Oder dass es Gewaltkriminalität durch Migranten nie gab. Je schuldloser alle anderen, desto alleinschuldiger „die Deutschen“ (als diffuses Kollektivkonstrukt), desto mehr lohnt es sich, den „arsch huh“ gegen Neonazis wie „pro Köln“ zu bekommen.

Auch erfreulich: „Zur Panik besteht kein Grund.“ Gemeint ist die aktuelle Finanzkrise. Deutsche Firmen gehen nämlich „mit einer gestärkten und nicht etwa geschwächten internationalen Wettbewerbsfähigkeit aus den tektonischen Verschiebungen der Finanzmarktkrise hervor.“ Nun wird zwar vielleicht selig, wer’s glaubt, aber dadurch noch lange nicht wettbewerbsmäßig gestärkt. Egal.

Zum Schluss nochmal Anlass zur Selbstkritik. Nach der Volksverhetzung gegen alevitische Mitbürger wird nun auch gegen die Sinti und Roma – „ähnlich wie gegenüber den Juden“ – kräftig gehetzt. Und zwar im „Tatort“. Wieso zieht man da nicht endlich mal die Konsequenzen daraus? Wieso wird nicht endlich mal juristisch normiert, dass nur weiße, männliche, christliche Deutschstämmige in den „Tatorten“ die Bösen spielen dürfen? Damit wäre allen geholfen. Die beklagen sich nämlich ganz bestimmt nicht, ansonsten sind sie halt einfach rechtsextrem.
So oder so ähnlich is auch das deutsche Schulsystem, da es Migranten strukturell benachteiligt. Das erkennt man daran, dass Migranten schlechter abschneiden. Chancengleichheit heißt nämlich, dass nicht die Begabung über die Ergebnisse entscheidet, sondern alle ethnischen Gruppen einen gleich hohen Anteil an Abiturienten aufweisen müssen – sonst liegt Diskriminierung vor. Da sei es nur verständlich, dass die Türken sich jetzt eigene Wege suchten. Ja, nur allzu verständlich! Wenn die türkischstämmigen SchülerInnen auf den türkischen Privatschulen nun besser abschneiden als auf den deutschen öffentlichen, dann beweist das, dass letztere einfach ungerecht sind. Damit sich von nun an keiner mehr benachteiligt fühlt, sollte man lauter Privatschulen gründen, Intensivtäter und Grenzdebile hineinstecken, und da die Noten in diesen Klassen wohl kaum alle am unteren Rand liegen werden, sondern ebenfalls mehr oder weniger eine Normalverteilung bilden werden, da es auch unter den Grenzdebilen stets etwas mehr und etwas weniger Grenzdebile gibt, „beweist“ der bessere nominelle Notenschnitt, den die Grenzdebilen in der Grenzdebilenklasse gegenüber den Grenzdebilen in der gemischten Klasse besitzen, dass letztere exzessiv benachteiligt waren. Dies ist zwar selbstverständlich nur eine Analogie, aber lässt die logische Kohärenz solcher Argumentationen unmittelbar einleuchten.

Lasst uns uns also schämen und froh drüber sein – die Essenz des heutigen Medienspiegels.

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Written by anzg23

01.10.08 um 21:12:39

Veröffentlicht in Allgemein

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