Demokratische Rechte

Tradition und Moderne

Woher die moralische Selbstgerechtigkeit der Linken kommt

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Von Kenshin-Himura

Wenn man in Deutschland nicht links ist, wird man von den Linken nicht etwa als jemand angesehen, der nur eine falsche Meinung hat (was völlig okay wäre, denn wenn man von der eigenen Meinung überzeugt ist, bedeutet es, dass man die andere für falsch hält – alles Andere wäre dekadente Beliebigkeit). Sondern man wird sofort als dümmer angesehen, als CDU-Trottel, und als moralisch schlechter, böser, geistig Zurückgebliebener, sozial und geistig Benachteiligter, und letztlich: jemand, der aus der Geschichte eben nichts gelernt hat, der die Lehren aus 1933-1945 nicht gezogen hat. Und genau Letzteres ist der entscheidende Punkt: Auch hier im Forum schwingt von den Linken gegen die Rechten letztlich unausgesprochen immer wieder die Suggestion mit: Euereiner wäre ja damals ein Mitläufer gewesen, einer der sich von Hitlers Radio-Ansprachen und Reden hätte aufhetzen lassen weil er halt nicht selbst denken kann. Mir hingegen wäre so etwas ja nie passiert, ich hätte ja nicht mit eingestimmt in die Meute.

Ein gemäßigter Linker aus dem Dunstkreis von SPD und Grünen bringt diesen unausgesprochenen Vorwurf noch relativ suptil und andeutend hervor. Je weiter dann z.Bsp. hier im Forum die User nach links gehen, desto offener und klarer wird dieser Vorwurf vorgebracht, dass Liberalismus und Nationalsozialismus sich ähneln würden, oder dass solche Leute wie die Konservativen hier im Forum ja damals zu Hitlers obersten Stützen gehört hätten. Die Spitze dieser selbstgerechten Unterstellung bildete die Aussage des SPD-Politikers Ludwig Stiegler, ihn erinnere das CDU-Wirtschaftsprogramm an die KZ-Parole „Arbeit macht frei“.

Wenn man allerdings natürlich un-ideologisch an die Sache rangeht, und nicht mit der linken Brille, weiß man natürlich, dass es schlicht nicht wahr ist, dass alle Konservativen in der Weimarer Republik Mitläufer waren und alle Linken waren heldische Rebellen. Vielmehr gab es eine kleine Elite innerhalb der Konservativen, die sich sogar recht erstaunlich mutig und aufrecht hervorgetan haben. Und es hat natürlich sehr wohl etwas zu sagen, dass der Sozialdemokrat Helmut Schmidt meint, die Wehrmacht sei die einzige anständige Organisation im dritten Reich gewesen.

Man weiß dann ferner auch, dass es ja auch heute keinesfalls so ist, dass die Linken die Unangepassten sind, und die Konservativen die Mitläufer. Vielmehr scheint es eher umgekehrt zu sein. Der „taz“ ein Interview zu geben, dazu gehört heute nicht viel Mut. Die Bundesvorsitzende der JuSos gibt sogar der „Jungen Welt“ Interviews, und Niemanden interessiert es, und auch in diesem Fall gehört nicht viel Mut dazu. Dazu, der „Jungen Freiheit“ ein Interview zu geben, hingegen schon. Die Linken sind heute die Mitläufer im Rudel, die nicht aufschreien, wenn Menschen-Gruppen ausgegrenzt, isoliert, schikaniert und systematisch beruflich und sozial fertig gemacht werden.

Deswegen wird ja auch jedes Jahr aufs Neue der Jahrestag des 20.Juli totgeschwiegen von den herrschenden Linken. Stauffenberg stellt das ganze Selbstverständnis der deutschen Linken, ihre ganze Substanz auf der sie ihre Legitimation und Deutungshoheit aufbauen, in Frage, weil Stauffenberg daran erinnert, dass der bedeutendste Widerstand gegen Hitler von einem Konservativen kam. Deswegen schweigt man ihn tot, oder man versucht es mit Dreckschleudereien, indem man ihm allen Ernstes mangelnde demokratische Gesinnung vorwerfen will. Oder man will ein Bundeswehr-Gelöbnis ihm zu Ehren verhindern, indem das Grünflächenamt was davon schwafelt, dass angeblich der Rasen dadurch überbelastet würde.

Und deswegen wurde auch der deutsche Schriftsteller Walter Kempowski systematisch totgeschwiegen. Bei „N24“ lief die Nachricht über seinen Tod nur im Ticker in der Zeile am unteren Rand des Bildschirms. Weil er in seinen Büchern einfach nur beschreibt, wie die Zeit gewesen ist im dritten Reich und danach. Wenn nämlich ein Linker diese Bücher liest, dann muss er sich nämlich fragen: Was hätte er denn gemacht? Wäre er nicht vielleicht ein HJ-Funktionär gewesen, oder in der Waffen-SS? Was bleibt dann noch übrig von der großen Fresse der Linken, wenn sie mit der Wirklichkeit des dritten Reichs konfrontriert werden?

Und deswegen ist ja auch die „Junge Freiheit“ so gefährlich für das System, weil sie ja eben immer sehr ausführlich und hochwertig den 20.Juli behandelt, was ja dazu geführt hat dass auch Leute wie Egon Bahr oder Rolf Hochhuth dieser Zeitung ihren Respekt zollten. Und deswegen würdigt und gedenkt Helmut Markwort auch immer wieder in seinen Leit-Artikeln Stauffenberg.

Ohne den Holocaust und die selbstgerechte Annahme, dass ein Linker ja damals zu den aufrechten Rebellen gehört hätte und der Rechte zu den Mitläufern, sind die deutschen Linken nämlich gar nichts. All ihre Ideologieen, alle ihre Argumente, all ihre Pfründe und Seilschaften in den Schulen, Medien, Universitäten, öffentlichem Dienst und Kirchen würden dann zusammenbröseln wie ein verfaulter Kuchen. Dann wäre es auf den Schulhöfen nicht mehr selbstverständlich, dass Che-Guevara-T-Shirts und Gegen-Nazis-T-Shirts völlig normal sind, hingegen Reagan-T-Shirts oder Franz-Josef-Strauß-T-Shirts eine Provokation und Unmöglichkeit mit der Gefahr, verprügelt zu werden. Dann wäre es nicht selbstverständlich, dass in Talkshows der Vertreter der Industrie stets böse und „befangen“ sind, der Gewerkschafts-Vertreter hingegen stets „unabhängig“ und für die Interessen der Arbeiter eintretend und „sozial“.

Das musste mal gesagt werden!

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Written by Preuße

02.09.08 um 23:05:45

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