Demokratische Rechte

Tradition und Moderne

Entropie – Verfall – Dekadenz

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Die amerikanischen Konservativen sind bekannt dafür, „less government“ zu fordern, den Demokraten werfen sie vor, mehr Staatseingriffe zu wollen. Dabei geht es nicht primär um Wirtschaft, sondern auch allgemein um soziale Fürsorge, Vorschriften, staatliche Hilfen.
Sie meinen, die Selbstverantwortlichkeit der Menschen würde durch Regierungseingriffe geschwächt. Gerne warnt man vor dem „Nanny state“. Recht haben sie eigentlich.

Doch warum die Debatte? Woher kommt das Dilemma?

Begreifen wir nicht gerade hier in Deutschland, mit den ganzen Debatten um mehr Privilegien für die Jugendämter, um verhungernde Kinder zu verhindern, Essensvorschriften, um Überfettung zu lindern, all die Überwachung, Steuerung, Planung, Vorschreibung, Sozialarbeiter, Ämter – ist es nicht tatsächlich so, dass die Leute sich ohne diese staatlichen Eingriffe tatsächlich nicht zu helfen wüssten?

Damit haben wir aber einen sich selbst verstärkenden Prozess: Menschen verlieren Selbstverantwortlichkeit, Staat springt ein, Menschen verlieren noch mehr Selbstverantwortlichkeit…

Das als Einstieg, da sich darin meiner Meinung nach das grundlegende Prinzip des Verfalls widerspiegelt: Alles Künstliche in der Welt, also auch menschliche Kultur, tendiert, wenn nicht durch ständige Anstrengung daran gehindert, dazu, mit der Zeit in den Naturzustand zu verfallen. Wenn von Wissen über Sitten bis Infrastruktur nicht alles menschlich Geschaffene stetig durch Energie, Aufwand, Arbeit, Mühe, Plackerei im Stande gehalten wird, verfällt es zwangsläufig. Würden wir alle für ein paar Jahre in den Tiefschlaf fallen, würden dichte Wälder die ehemaligen Ackerflächen und Dörfer überziehen. So ist es mit allem Kulturellen.

Nun haben also in den Industrieländern die Menschen aufgehört, pingelig an der Instanderhaltung ihres kulturellen Fundus zu arbeiten. Von traditionellen Rezepten bis zum Erziehungswesen ist alles mehr oder weniger der „Befreiung“ vom „Muff von tausend Jahren“ zum Opfer gefallen – nicht nur in Deutschland, wie gesagt. Damit wurde dieses Prinzip, dass ständig mit erheblichem Aufwand bestehende Strukturen, bestehendes Wissen, bestehende Normen, aufrechterhalten und an kommende Generationen weitergegeben werden, aufgegeben.

Damit unterliegen diese Bereiche nun ebenfalls dem natürlichen Gesetz der Entropie – alles strebt, sich selbst überlassen, dem Chaos entgegen.
Weil dieser Wille zur Aufrechterhaltung innerhalb der Gesellschaft aufgehört hat, zu existieren, sieht sich nun der Staat in Bedrängnis, einzugreifen.
Und damit haben wir oben genanntes Dilemma: Der Staat will etwas aufhalten, was er mit seinen Eingriffen verstärkt!

Wie kann man aus dieser Abwärtsspirale entkommen, wenn sie einmal eingeleitet wurde? Das wird eine der dringensten Fragen sein, mit der sich die gegenwärtige politische Theorie und Praxis zu beschäftigen hat, wenn sie nicht will, dass dies nur noch Gegenstand von Rekonstruktionen in post-abendländischen Geschichtsbüchern ist.

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Written by anzg23

11.08.08 um 19:49:27

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