Demokratische Rechte

Tradition und Moderne

Absurde Asymmetrien im „Dialog“

with one comment

Kein Migrant warnt vor „Germanophobie“ und „Generalverdacht“. Niemand, der noch ganz bei Sinnen ist, erlegt sich selbst auf, seine sich selbst so bezeichnenden Feinde klein- und wegzureden. Wer sich derart töricht verhält, darf keine gleichartige Reaktion erwarten.

Gab es schon einmal einen rechtsextremistisch motivierten Angriff auf islamische Migranten, nach welchem Muslimverbände und Migrantenvereinigungen lauthals aufschrieen, um vor einem „Generalverdacht“ auf Deutsche ohne Migrationshintergrund zu warnen? Ist es je passiert, dass Vorsitzende von muslimischen Vereinen jeden Muslim, der vorsichtig seine Angst und Besorgnis über derartige Vorkommnisse äußerte, sofort mundtot machten, wüst in die rechte, gar islamistische Ecke drängten, und stattdessen demonstrativ deutsche Kulturzentren und Museen besuchten und vom Dialog der Kulturen faselten, mit dem derartigem begegnet werden müsse? Dass führende islamische Theologen vor einer „Germanophobie“ warnten, sich selbst zur Vorschrift machten, nie mehr das Wort „deutsch“ im Zusammenhang mit rechtsextremistischen Gewalttaten zu verwenden, lieber bei sich und ihrer Kultur die Fehler und Ursachen für die Übergriffe zu suchen und nie müde wurden, auf eine friedliche Mehrheit und den pazifistischen Charakter deutscher Kultur und Verfassung hinzuweisen?

Warum nicht?

Ganz einfach: Weil es selbstverständlich undenkbar eine Motivation und schon gar nicht die Aufgabe von Vertretern einer Kultur sein kann, die gegen sie gerichteten gewalttätigen Strömungen innerhalb anderer Kulturen systematisch kleinzureden und zu negieren.
Muslim- oder Migrantenverbände, die so handelten, würden wohl zurecht nicht nur Unverständnis, sondern auch offene Anfeindungen seitens der Klientel, die sie eigentlich zu vertreten vorgeben, ernten. Bleibt die Frage, warum diese Selbstverständlichkeit im umgekehrten Fall weitgehend ausbleibt. Dies weist auf eine Asymmetrie im sogenannten „Dialog“ hin: Während die eine Seite ständig damit beschäftigt ist, in Polit-Talkshows, Internetblogs und Zeitungskolumnen herauszufinden, was sie falsch gemacht hat, und wo die vermeintlichen Wissens- und Toleranzdefizite der anderen Seite gegenüber sind, verschwendet letztere ihre Zeit erst gar nicht mit Selbstkritik und Beschwichtigungs-bemühungen. Weshalb auch, das übernehmen ja die anderen zur Genüge für sie.

Nach den dänischen Mohammed-Karikaturen etwa gab es von vielen Seiten das, was im umgekehrten Fall gerne empört mit „Generalverdacht“ bezeichnet wurde: Nicht nur die verbrannten Flaggen, selbst aus Regierungskreisen vieler Länder wurde immer wieder die Behauptung formuliert, dies zeige, dass „der Westen“ einen Kampf gegen den Islam führe. Eine komplette geopolitische Region, die in ihrem Kultur- und Meinungsspektrum wohl vielfältiger ist als jede andere, wurde also verantwortlich gemacht für die Zeichnungen einer Handvoll Karikaturisten. Unnötig zu erwähnen, dass hierbei keine wütenden Stimmen aus der muslimischen Welt zu hören waren, die ihre Glaubensbrüder der illegitimen Verallgemeinerung, gar der Oxidentphobie oder des Rassismus beschuldigt hätten.
Sollten wir es ihnen nun deshalb gleichtun? Selbstverständlich nicht. Aber vielleicht wäre es sinnvoll, bei der nächsten Warnung vor einem „Generalverdacht“ seitens muslimischer Vertreter die Damen und Herren auf ihre eigenen Praktiken aufmerksam zu machen.

Aber hier liegt das Problem, denn in die Belange der anderen hineinzureden will man sich nicht anmaßen. Bequemer und mit weniger Konfliktpotenzial einhergehend ist da, wie immer die Schuld für Vergehen anderer bei sich selber zu suchen. Wer was anderes behauptet, wird an den rechten Rand gedrängt. Aber zu einem „Dialog“ gehört, dass man sich als gleichwertigen Partner anerkennt, den man selbstverständlich auch kritisieren darf. Im Moment sieht es aber wie in dem Witz aus den Zeiten des Kalten Krieges aus, wo der Amerikaner sagt: In unserem Land darf jeder unseren Präsidenten kritisieren, und der Russe antwortet: Bei uns das gleiche, auch wir dürfen Euren Präsidenten kritisieren. Die Gleichwertigkeit beider Parteien im „Dialog“ ist also derart, dass beide Parteien gleichermaßen den Westen für alles Schlechte auf der Welt verantwortlich machen können.

Der selbstgewählte Verzicht, Missstände anzusprechen oder gar zu kritisieren, sobald sie die andere Seite betreffen, führt auch zu weiteren Asymmetrien im Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen in Europa. Gerne feiern Islamverbände beispielsweise steigende Zahlen von Konvertiten, und letztere werden stolz in der Öffentlichkeit präsentiert, drehen Videos und treten auf „Dialog“-Veranstaltungen in Kirchen auf. Dass es umgekehrt kaum zum Christentum oder Judentum oder anderswohin konvertierte Ex-Muslime gibt, deren Anzahl die Kirchen stolz präsentieren, liegt in erster Linie daran, dass nach islamischem Recht Abtrünnige mit drakonischen Strafen zu rechnen haben, in vielen Ländern bedeutet dies Exekution. Nicht nur der Fall des Afghanen, der erst nach westlicher Intervention der Todesstrafe entging und nach Europa flüchten konnte, und dies wohlgemerkt nach Abschaffung des Talibanregimes, sondern auch die Not in Europa lebender Konvertiten, die um ihr Leben bangend untertauchen und mit Polizeischutz leben müssen, sind hier zu nennen. Es ist total unverständlich, dass weder die Politik, noch die Kirchen, diese Ungleichheit anprangern. Ähnlich verhält es sich mit direkten Ablegern staatlicher Behörden wie „DITIB“, dem verlängerten Arm der türkisch-islamischen Religionsbehörde, die in Deutschland Rechte einfordert, die sie selbst anderen Religionen in der Türkei nicht gewährt. Christen dürfen beispielsweise nicht missionieren, und überhaupt zeugt die Tatsache, dass es eine staatliche Religionsbehörde gibt, die sich aber ausschließlich als den Islam vertretend versteht, von einem eingeschränkten Verständnis von Religionsfreiheit.

Unter solchen Umständen ist die Forderung nach einem „Dialog“ eine Farce. Ein Dialog erfordert gleichwertige Partner, die einander die gleichen Rechte anerkennen und auch auszuüben wagen.

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Written by anzg23

14.03.08 um 13:48:46

Veröffentlicht in Gesellschaft

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Eine Antwort

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  1. Leider hat die westliche Welt nichts oder nicht viel aus ihrer Geschichte gelernt. Man geht sehr stark auf die Muslims zu und erwartet, daß die das anerkennen und respektieren. Das Gegenteil jedoch ist der Fall: je mehr man ihnen gibt, desto mehr fordern sie. Dies alles kommt mir sehr bekannt vor: hätte der Westen in den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts Hitler und seine Nazis nicht so ungestört agieren lassen und wäre früher eingeschritten, dann hätte dies der Welt viel Blut und Leid erspart. Diese „Appeasement-Politik“ hatte damals nicht funktioniert und sie wird heute nicht funktionieren. Faschisten jeglicher Couleur, ob ideologisch oder religiös begründet, müssen mit harter Hand unter Kontrolle gehalten und in ihre Schranken verwiesen werden.

    haihunter

    17.03.08 at 13:05:54


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